Von der Antike bis zur Neuzeit
Viele Menschen glauben, dass Störungen der männlichen Potenz eine Erscheinung der Neuzeit seien und heute viel öfter vorkommen würden als in der Vergangenheit. Das ist jedoch ein Trugschluss. Seit jeher hatten Männer mit Potenzproblemen zu kämpfen. Heute geht man lediglich offener als früher mit diesem Thema um. Dass dies keine leere Behauptung ist, wird durch die Tatsache belegt, dass Potenzmittel schon aus der Zeit der Antike bekannt sind.
Während man in der Gegenwart unter dem Begriff Potenzmittel meist die modernen pharmazeutischen Präparate versteht, nannte man früher Stoffe oder Substanzen, die die Liebeslust und Manneskraft steigerten, Aphrodisiaka. Der Name leitet sich von Aphrodite, der griechischen Göttin der Liebe, ab. Schon seit Menschengedenken wurden bestimmten Stoffen diese Eigenschaft zugeschrieben. Eine der bekanntesten Stoffe zur Luststeigerung ist Alkohol. Bereits in der Antike war seine erregende Wirkung bekannt. Da Alkohol einer Erweiterung der Blutgefäße bewirkt, verbessert er auch den Blutfluss zum Penis und fördert die Erektion. Das gilt natürlich nur, solange er nicht im Übermaß genossen wird. Das ein guter Chardonnay oder Bordeaux die Sinne erregt, ist also keine Legende, sondern eine schon seit der Antike bekannte Tatsache. Andere natürliche Potenzmittel sind bestimmte Wurzeln und Kräuter wie zum Beispiel Alraune, Stranddisteln, Krokus oder selbst gewöhnlicher Sauerampfer.
Im Mittelalter kamen dazu noch gewisse Gewürze wie beispielsweise Muskatnuss, Pfeffer, ja selbst Grünkohl und andere Pflanzern dazu. Dass Muscheln (besonders Austern), Kaviar, Schnecken und andere Meerestiere den sexuellen Appetit steigern, ist gleichfalls schon seit vielen Jahrhunderten bekannt.
Die Wirksamkeit vieler dieser natürlichen Potenzmittel wurde erst in den letzten Jahren nachgewiesen. Allen jedoch ist gemeinsam, dass sie lediglich eine sanfte, anregende Wirkung haben, die sich erst einstellt, wenn sie über längere Zeit angewendet werden. Zudem muss bedacht werden, dass Potenzmittel in früheren Zeitaltern noch nicht eine so wichtige Rolle spielten wie heute, da Potenzprobleme lediglich die Sorgen einer zahlenmäßig kleinen Oberschicht waren. Die Mehrheit der Menschen, von der Antike über das Mittelalter bis in die frühe Neuzeit fristete ein so erbärmliches Dasein, dass Potenzprobleme zu den geringsten Sorgen gehörten, von denen die Männer der unteren Schichten geplagt wurden.
Auch in der Kräuterheilkunde vergangener Jahrhunderte gab es viele Mittel und Tinkturen, die bei sexuellen Problemen helfen sollten. Die meisten davon waren jedoch unwirksam oder sogar gesundheitsschädlich. Dazu gehört zum Beispiel die berüchtigte “spanische Fliege”, ein Pulver, das aus zermahlenen Käfern, die in Spanien vorkommen, besteht. Der Wirkstoff, Cantharidin, ist ein starkes Reizmittel und sehr giftig. Schon 30 Milligramm stellen für den durchschnittlichen Mann eine tödliche Dosis dar. Die Wirkung des Cantharidins besteht in einer Reizung der Harnwege, die zu einer Erektion führt. Heute wird die Spanische Fliege kaum mehr angewendet.
Die Wirkung der meisten dieser Mittel beruht auf dem sogenannten Placebo-Effekt. Das bedeutet, dass die heilende Wirkung eintritt, weil der Patient glaubt, dass das Mittel einen heilenden Effekt hätte. Eine tatsächliche Wirkung ist jedoch medizinisch nicht nachweisbar.
In der Neuzeit änderte sich abgesehen von der Erfindung einiger mechanischer Hilfsmittel wie Penispumpen und Penisringe nicht viel. Noch vor wenigen Jahren musste sich zum Beispiel der Patient zur Erzielung einer Erektion das Mittel kurz vor dem Geschlechtsverkehr in die Peniswurzel injizieren. Diese Methode mutet heute eher wie eine mittelalterliche Foltermethode an als eine Behandlungsform von Potenzstörungen.
Eine Wende kam erst, als 1998 die ersten Potenzmittel auf der Basis von PDE-5-Hemmern entwickelt wurden. Diese Stoffe funktionieren nach demselben Prinzip: durch ein Enzym werden die Blutgefäße um den Penis erweitert. Bei sexueller Erregung fließt mehr Blut hindurch und der Penis richtet sich auf. Je nach Mittel hält die Wirkung mehrere Stunden bis nahezu zwei Tage lang an. Innerhalb dieser Zeit sind mehrfache Erektionen, die mit einem Orgasmus und Samenerguss enden, möglich. Die Erfolgsquote der modernen Potenzmittel liegt bei über 80 Prozent.
Darin liegt jedoch zugleich eine Gefahr. Erektionsstörungen können erste Anzeichen einer ernsten Erkrankung sein. So treten sie häufig als Nebenerscheinung bei Diabetes oder Aneurysma auf. Auch bei der gleichzeitigen Einnahme verschiedener Medikamente oder klinischer Depression kann Impotenz auftreten. Vor der Einnahme von Potenzmitteln sollte daher unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um mögliche organische oder andere Ursachen zu klären. Besonders gefährlich ist das Bestellen von Potenzmitteln im Internet. Viele der Produkte sind gefälscht und bestenfalls wirkungslos, manchmal sogar schädlich. Zudem sind diese Mittel rezeptpflichtig und ihre Einfuhr nach Deutschland illegal. Der Anreiz zum illegalen Kauf Online liegt hauptsächlich im Preis. Die Originalpräparate, deren Kosten nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, sind recht teuer.
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