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Gedanken zum Arzneimittelreport 2011

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Seit mehrern Jahren veröffentlicht die Barmer GEK ihren Arzneimittelreport, der mit seinen ausführlichen Daten und Fakten mitterweile zu einer Instanz im Gesundheitswesen geworden ist. Für Alle, die keine Muse haben, den ausführlichen Bericht zu lesen, gibt es hier die wichtigsten Themen, Daten und Fakten übersichtlich zusammengefaßt.

Im aktuellen Report ist unter Anderem die Verbreitung von Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial ein wichtiges Thema, mit dem auch ich mich schon früher hier im Blog befaßte.

Als erstes werden die 20 meißtverkauften Schlafmittel mit Sucht- und Mißbrauchspotenzial genannt. Insgesamt wurden 2010 28 Millionen Packungen mit einem Pharma-Umsatz von 128 Millionen Euro verkauft, was einem Apotheken-Umsatz von etwa 300 Millionen Euro entspricht.

Hier die 5 am häufigsten verordneten Schlafmittel. In Klammer: Wirkstoff und Anzahl verkaufte Packungen in Tausend.

  • Hoggar N ( Doxylamin 2.138,0 x Tsd Packungen )
  • Vivinox Sleep ( Diphenhydramin 1.166,2 x Tsd Packungen )
  •  Zolpidem ratiopharm ( Zolpidem 1.028,9 x Tsd Packungen )
  •  Zopiclon CT ( Zopiclon 978,6 x Tsd Packungen )
  • Zopiclon ratiopharm ( Zopiclon 854,5 x Tsd Packungen )

Besonders die letzten 3 Schlafmittel haben ein hohes bis sehr hohes Abhängigkeitspotenzial.

Nach wie vor werden auch noch sehr viele Beruhigungsmittel ( Tranquilizer ) verschrieben, obwohl sie ein sehr hohes Suchtpotenzial haben. Allein in Deutschland sollen 1.2 Millionen Menschen abhängig sein. 2010 am häufigsten verkauft:

  • Diazepam ratiopharm ( Diazepam 1.334,8 x Tsd Packungen )
  • Tavor ( Lorazepam 1.238,6 x Tsd Packungen )
  • Lorazepam ratiopharm ( Lorazepam 722,8 x Tsd Packungen )
  • Bromazanil Hexal ( Bromazepam 714,7 x Tsd Packungen )
  • Oxazepam ratiopharm ( Oxazepam 613,2 x Tsd Packungen )

Insgesamt wurden fast 10 Millionen Packungen verkauft. Tranquilizer sollten nur so lange wie nötig, in der geringsten sinnvollen Dosis und bei absoluter Notwendigkeit eingenommen werden, weil sich schon innerhalb von 2 Wochen eine starke Gewöhnung einstellen kann.

Einsatz von Medikamenten bei Senioren und Alkoholkranken

Es wird immer öfter beobachtet, dass in Altersheimen besonders an demenzkranke Patienten Beruhigungsmittel gegeben werden – und das hauptsächlich wegen der dünnen Personaldecke, ruhiggestellte Patienten brauchen natürlich nicht so viel Zuwendung und verurachen weniger Aufwand. Ein sehr bedenklicher Trend, dem z.B. mit höheren Investitionen in Fachpersonal entgegengewirkt werden könnte.

Momentan geht man in Deutschland von etwa 1,1 Mio Demenzkranken Menschen aus. Diese Zahl wird sich aufgrund der demographischen Entwicklung bis 2050 mehr als verdoppeln. Etwa jeder Dritte erhält regelmäßig starke Beruhigungsmittel, also ein großer Markt mit Wachstumsgarantie für die Hersteller. Da diese Medikamente  zu einer höheren Morbidität führen können und oft kein wirklicher Zusatznutzen nachgewiesen werden kann, sollte die Verordnung dieser Präparate, nicht nur in Heimen, hinterfragt werden. Psychosoziale Behandlung wie Spiele, welche die Denkleistung fordern oder gemeinsame Unternehmungen haben sich als wirksamer als Neuroleptika erwiesen, die demnach nur noch in Ausnahmefällen und für kurze Zeit angewandt werden sollten.

Der Einsatz von Beruhigungsmitteln beim Alkoholentzug sollte auch kritisch betrachtet werden. Allzu häufig wird die Behandlung mit diesen Medikamenten nach dem Entzug weitergeführt, weil oft Schlafstörungen und Ängste auftreten. Bei Menschen, die bereits Suchtkrank waren, kann so in kurzer Zeit eine Suchtverlagerung oder Mehrfachabhängigkeit entstehen. Von den etwa 1,6 Mio Alkoholabhängigen Menschen erhalten beinahe 5 % oder 82 Tsd regelmäßig Beruhigungsmittel verschrieben, obwohl sie kontraindiziert sind.

Die häufigsten bzw. teuersten Arzneien 2010

Die folgenden Daten beziehen sich auf die Barmer GEK mit etwa neun Millionen versicherten. Der hohe Anteil älterer Versicherter kann die Daten etwas verzerren.

Das Rheuma-Medikament Humira schlägt allein mit Kosten von 70 Millionen Euro zu Buche – Der Gesamt-Indusrie-Umsatz mit dem Mittel betrug 340 Mio Euro, was einem Apothekenumsatz von etwas 1 Mrd Euro entspricht. An zweiter Stelle mit jährlichen Kosten von etwa 59 Millionen Euro steht mit Enbrel ein Medikament gegen die rheumatoide Arthritis. An dritter Stelle mit 47 Mio Euro steht mit Rebif eine Arznei zur Behandlung der Multiple Sklerose. Etwa 46 Mio Euro gibt die Kasse für Copaxone – auch ein Mittel zur Behandlung der MS – aus. An fünfter Stelle steht mit Kosten von 40 Mio Euro p.A. das Medikament Seroquel, das zur Behandlung psychischer Erkrankungen eingesetzt wird.

Einsparmöglichkeiten bei Medikamenten

Das größte Einsparpotenzial sieht die Kasse bei den Nachahmerprodukten ( Analogmedikamente ), neuen Produkten, die keine unmittelbaren Vorteile gegenüber konventioneller Medikation bieten, allerdings teurer sind. Hier könnte besonders bei Mitteln, deren Patentschutz abgelaufen ist, durch günstige Generika ( Arzneien mit dem selben Wirkstoff wie das Original ) gespart werden. Insgesamt ließen sich durch mehr Generikaverordnungen bis zu einer halben Mrd. Euro einsparen.

Die höchsten Kosten verursachen nach wie vor die Spezialpräparate, beispielsweise Humira. Das führt dazu, daß für 1,1 % der Patienten etwa 30 % der Geldmittel ausgegeben werden.

Die höchsten Umsatzzuwächse zeigt mit 520Tsd Verordnungen Novaminsulfon , ein wegen seiner Nebenwirkungen stark umstrittenes Schmerzmedikament.

Den ausführlichen Report 2011 und viele weitere gesundheitspolitische Informationen finden Sie hier: https://www.barmer-gek.de/

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