Ein kurzer Rückblick auf mehr als 50 Jahre hormonelle Verhütung.
Verschiedene Forscher beschäftigten sich bereits seit den 1920er Jahren mit der Entwicklung von Stoffen zu hormonellen Verhütung. Die erste Antibabypille kam im Jahr 1960 in den USA unter dem Namen Enovid® auf den hungrigen Markt. Im darauffolgenden Jahr führte die Schering AG Anovlar, welches deutlich sicherer und nebenwirkungsärmer war, in Deutschland ein. Während das Medikament in Deutschland mit gängigen Moralvorstellungen kollidierte und zuerst als Mittel gegen Menstruationsstörungen vermarktet und nur an verheiratete Frauen ausgegeben wurde, war der Umgang mit dem Verhütungsmittel in der DDR viel offener, die Pille wurde sogar kostenlos an jede interessierte Frau ausgegeben. In Deutschland fand erst nach 1972 eine Lieberalisierung statt, die auch unverheirateten Frauen den Zugang erleichterte.
In den USA trug die Pille zur “sexuellen Revolution” bei, die besonders während der wilden 60er und 70er Jahre statt fand.
Wirkstoffe
Die Pille enthält die weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen. Während Östrogen den Eisprung unterdrückt verhindert Gestagen die Befruchtung und Einnistung einer Eizelle. Heutzutage werden hauptsächlich Mikropillen eingesetzt, die eine viel geringere Hormonmenge beinhalten und somit nebenwirkungsärmer sind als die älteren Präparate. Als Alternative gibt es noch die Minipille, welche nur Gestagen enthält und das Eindringen von Spermien in den Gebärmuttermund verhindert.
Zahlen und Fakten
Die am häufigsten verschriebenen Antibabypillen. In Klammern die Wirkstoffe.
- Valette (Ethinylestradiol, Dienogest – Einphasenpille )
- Lamuna ( Ethinylestradiol, Desogestrel – Einphasenpille )
- Minisiston/ -fem ( Ethinylestradiol, Levonorgestrel – Einphasenpille )
- Cerazette ( Desogestrel – Minipille )
- Yasmin/Yasminelle( Ethinylestradiol, Drospirenon – Einphasenpille )
- Microgynon (Ethinylestradiol, Levonorgestrel – Einphasenpille )
Während im Alter von 12 Jahren weniger als ein Prozent der Versicherten die Pille verschrieben bekommen, sind es bei den 13 Jährigen Mädchen schon etwa 2 %. Mit 14 Jahren: etwa 8 %, mit 15: 24%, mit 16: 44%, mit 17 Jahren: 60%, mit 18: 66% und mit 19 Jahren sind es beinahe 70% der versicherten Frauen. ( Quelle: Barmer Arzneimittelreport 2011 )
Gefahren
Die Krankenkassen bemängeln, daß von den Gynekologen immer häufiger neuartige Präparate verordnet werden, für die von den Pharmaherstellern große Werbekampagnen gefahren werden, obwohl es keinen Zusatznutzen dieser Mittel gibt. Im Gegenteil, die neuen Gestagene bergen oft ein höheres Risiko für Nebenwirkungen wie Thrombosen. Es wird deshalb empfohlen, eher Pillen mit dem älteren Gestagen Levonorgestrel zu benutzen.
Da es sich bei der Antibaby-Pille um ein Medikament handelt, dass nicht zur Behandlung von Krankheiten, sondern zum Ermöglichen eines bestimmten Lebensstils eingesetzt wird, sollte der Risiko-Nutzen-Bewertung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
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